Kessler beruft sich in seinen Fotografien auf die Idee der idealen Landschaftsfotografie Ansel Adams. Um sich Adams Idee der „reinen Fotografie“ anzunähern, wählt der Künstler die abgeschiedensten Orte der Welt. So zum Beispiel die Costa Carayas Inseln an der Pazifikküste Mexicos oder die Eisberge bei Ilulissat auf Grönland. Es sind Orte fern von Lichtsmog und Luftverschmutzung, deren totale Dunkelheit nur vom Schein der Sterne und des Mondes gebrochen wird. Die Nacht wählt der Künstler um die physikalisch beste Sicht zu erhalten. Hier scheint die perfekte Darstellung der Landschaft und somit eine Nähe zu Adams Fotografien und Theorien möglich. Doch dies täuscht. Denn erst der künstliche Eingriff durch die sekundäre Beleuchtung macht das Dargestellte sichtbar. Die Angestrahlten Inseln oder Eisberge werden so zu Bühnen, zu Schauplätzen ohne Akteure. Das bisher mit freiem Auge nicht Sichtbare wird in höchster Schärfe sichtbar gemacht. Die Idee der idealen Landschaftsfotografie wird ad absurdum geführt, wenn die Abzüge erst nach digitalen Korrekturen von Farbe und Kontrast am gescannten Negativ auf C-Prints ausgedruckt werden.
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