Barbara & Michael Leisgen
Mimetische Lanschaften
1971 - 1975
12. Januar - 17. Februar 2018

Die poetisch wirkenden Arbeiten aus der Frühzeit des Künstlerduos zeugen eindrucksvoll davon, dass die beiden Künstler schon in den 70er Jahren mit ihren konzeptuellen und zugleich körperlich-sinnlichen Fotografien, an „vorderster Front der Fotografie und Videokunst“ kämpften. Zugleich besitzen diese auf die Performancekunst und Land Art der 60er Jahre zurückgreifenden Bildwerke eine beeindruckende Aktualität und Frische. Mit den hier gezeigten „Mimetischen Landschaften“ erforschen Barbara & Michael Leisgen auf poetische Weise das Verhältnis von Mensch und Natur. Mit dem Rückgriff auf Landschaft  und Körper stehen sie letztlich konträr zu typologischen Fotografieschule von Bernd & Hilla Becher, die sich in den 70er Jahren in Düsseldorf entwickelte. Doch gerade durch die Aufzeichnung einer natürlichen Spur, die Erforschung des Körpers und den experimentellen Zugang zur Landschaft entwickelten die beiden eine ganz eigene Handschrift im Bereich der konzeptuellen Fotografie.

In dieser Serie ist Barbara Leisgens Silhouette gesetzt und hinterlässt ihre flüchtige Spur in den Landschaften. Ihre performativen Aktionen umfassen das Ausstrecken der Arme, um den Konturen der hügeligen Landschaft zu folgen oder auch das Einfassen der Sonne in einem Bogen, der von ihrem Arm gezogen wird, während sie von hinten in der Mitte des Bildes zu sehen ist. Barbara Leisgen ahmt die Natur nicht nur durch ihre Gesten nach, sondern beschreibt sie auch im Sinne einer Spurensicherung und kanalisiert sie. Die (Wieder-) Aneignung der Landschaft ist subjektiv, die Silhouette von Barbara Leisgen wird in der Landschaft dargestellt, doch die Inschrift ist vergänglich.

Die Fotografien erinnern an die deutsche Romantik, insbesondere an die Bilder von Caspar David Friedrich - sein Gemälde Morgenlicht ist das figurative Vorbild für Leisgens” Mimetischen Landschaften”, wenngleich Friedrichs Paradigma, die Natur als heilig zu betrachten, für diese Arbeiten nicht gilt. Man könnte Leisgens Bilder vielmehr als anthropozentrisch-romantisch bezeichnen, ein Sichtweise, die uns die französische Romantik überliefert hat. Und doch verweisen ihre Bilder trotz des erhabenen Aspekts der fotografierten Szenen und der Kostbarkeit der Drucke, die uns jenseits von Schwarz und Weiß eine Farbvielfalt im gleißenden Licht vor Augen führen, auch auf die Naivität und innere Nostalgie der Souvenirfotografie.

Der eigentliche Betrachter wird in eine sich spiegelnde Wahrnehmung versetzt, die ihn dazu verleitet, eine Frau in einer Landschaft zu betrachten, die selbst eine Landschaft wahrnimmt und auf diese reagiert. Barbara & Michael Leisgen sind damit Vorläufer aktueller Landschaftsansätze, die sich gleichzeitig auf eine modernistische und postmoderne Sichtweise stützen, ihre frühen Arbeiten sind daher hoch aktuell.